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Am Horn von Afrika kreuzen sich mehrere Krisen: Äthiopiens aggressive Nil-Staudamm-Politik und innere Umstrukturierung schüren regionale Spannungen mit Ägypten, während ein Anstieg der Piraterie vor Somalia und erneute Tigray-Kriegsängste Sicherheit und humanitäre Lage untergraben.
Redaktionell kuratierte Konflikte und Rivalitaeten, an denen Horn von Afrika beteiligt ist. Klappen Sie ein Panel auf, um die einzelnen Konfliktpunkte darin zu sehen.
Das Horn von Afrika wird durch mehrere ineinandergreifende Konflikte neu geordnet: den umstrittenen völkerrechtlichen Status Somalilands, eine ungelöste Konfrontation zwischen Äthiopien und seinen nördlichen wie flussabwärts gelegenen Nachbarn und den ungleichmäßigen Wiederaufbau des somalischen Staates. Auswärtige Mächte -- Israel, die Türkei, Ägypten, die Golfstaaten, die USA und China -- sind an mindestens einem davon beteiligt.
Äthiopiens Wirtschaft steht unter starkem Druck, da die Zentralbank Dollarreserven verbrennt und die Währung sinkt, während neue Nil-Staudammprojekte die Spannungen mit Ägypten verschärfen. Regionaler Handel und Investitionen zeigen gemischte Signale: Ethiopian Airlines expandiert nach Kinshasa, aber saudische Öltanker umfahren Afrika, und die Weltbank sanktioniert einen somalischen e-Citizen-Gründer wegen betrügerischer Geschäfte.
Äthiopien durchläuft eine tiefgreifende politische Umstrukturierung, schließt die Tür zur Sezession und wechselt vom ethnischen Föderalismus zu einem Einheitsstaat – ein Schritt, den Ägypten als inakzeptabel bezeichnet. Regionale Diplomatie intensiviert sich: Ägypten und Dschibuti besprechen Sicherheit, Saudi-Arabien betont offene Meerengen, und die Türkei vertieft ihre Staatsbildungspartnerschaft mit Somalia.
Die maritime Sicherheit am Horn von Afrika hat sich stark verschlechtert: Die Piraterie-Vorfälle stiegen 2026 stark an, über 90 Seeleute wurden im Golf von Aden gefangen genommen, und ein gekapertes Frachtschiff mit türkischen Waffen wurde mit Hilfe der türkischen Marine befreit. An Land wecken Drohnenangriffe in Äthiopien erneut Ängste vor einem neuen Tigray-Krieg, während somalische Bundestruppen in Baidoa mit bewaffneten Oppositionellen zusammenstoßen.
Die Mangelernährungskrise bei Kindern in Somalia dominiert die gesellschaftliche Lage: Die Hälfte der somalischen Kinder ist unterernährt, und Hunderte Gesundheitseinrichtungen wurden geschlossen, was den Notstand verschärft. In Äthiopien feiern Tigray-Frauen Ashenda trotz Kriegsängsten, und die WHO warnt, Tigray stehe am Rande eines erneuten Konflikts, während die Pressefreiheit durch die Festnahme eines Redakteurs weiter erodiert.