Das innerkoreanische Verhältnis wird eher neu definiert als verhandelt. Nordkorea hat die Wiedervereinigung aus seiner Verfassung entfernt, sein Staatsgebiet gegen einen Süden abgegrenzt, den es als eigenen und feindlichen Staat bezeichnet, und Gesprächsangebote aus Seoul öffentlich zurückgewiesen. Seoul hat sich auf dem Papier in eine parallele Richtung bewegt -- sein Weißbuch zur Wiedervereinigung fasst das Ziel nun als friedliche Koexistenz zweier Staaten -- verfolgt in der Praxis jedoch Annäherung: Wiederherstellung des Militärabkommens von 2018 samt Flugverbotszone, Erleichterung des zivilen Zugangs entlang der Grenze, Bedauern über Drohneneinflüge in den Norden und die Deutung von Signalen wie Äußerungen von Kim Yo-jong oder einer weniger feindseligen Verfassungsrevision als mögliche Öffnungen. Das Ergebnis ist eine Asymmetrie, in der eine Seite einen Annäherungskurs aufrechterhält, den die andere förmlich geschlossen hat. Beide Lesarten dieser Asymmetrie -- dass Annäherung den Kanal wieder öffnen kann und dass Pjöngjang ihn strukturell beendet hat -- erscheinen in denselben südkoreanischen und westlichen Medien, weshalb sie hier über ihre Rahmung und nicht über das Medium unterschieden werden.
Konkurrierende Narrative:2
Zugeordnete Schlagzeilen:17