Loading...
Der innere Zusammenhalt der Europäischen Union ist an mehreren Fronten zugleich umstritten. Brüssel und die nationalen Regierungen streiten über die Rechtsstaatlichkeits-Konditionalität und den nächsten mehrjährigen Haushalt; die Mitgliedstaaten sind in der Migrations- und Asylfrage gespalten, von Spaniens Massenregularisierung über Italiens ausgelagerte Verfahren in Albanien bis zum verzögerten Ein- und Ausreisesystem an den Grenzen; die europäische Rechte ordnet sich neu, während die Europäische Volkspartei über die Zusammenarbeit mit den Fraktionen der Konservativen und Reformer sowie der Patrioten für Europa debattiert und der langjährige „Cordon sanitaire" auf die Probe gestellt wird; und die Innenpolitik der größten Mitgliedstaaten polarisiert sich, mit der AfD in Deutschland, dem Rassemblement National in Frankreich und einem Regierungswechsel in Ungarn. Die Berichterstattung ist selbst geteilt: nationalkonservative und souveränistische Medien deuten Brüssel als übergriffig und den Ausschluss aufstrebender Parteien als undemokratisch, liberale Mainstream-Medien deuten dieselben Bewegungen als Gefahr für Rechtsstaat und EU-Einheit, und russische und chinesische Staatsmedien verstärken jeden Riss als Beleg westlichen Niedergangs. Die Konflikte sind unionsintern; die äußeren Friktionen mit Washington, Moskau und um die Ukraine werden andernorts behandelt.
Koalitionen mit eigenen Rahmen fuer dieselbe zugrunde liegende Konfrontation.
Geladenes Vokabular pro Koalition und juengste Schlagzeilen.
Laender, die direkt an diesen Spannungen beteiligt sind, oder deren eigene Medien darueber berichten.
Die Zusammenhalts-Rahmung (westlicher Mainstream und integrationsfreundliche Presse) sieht die gemeinsamen Regeln der Union als verteidigenswert: Rechtsstaats-Konditionalität und Antikorruptionsstandards, eine gegen die radikale Rechte geschützte demokratische Ordnung, Solidarität bei Migration und Haushalt und eine Brandmauer gegen die Normalisierung projektfeindlicher Kräfte. Sie deutet die Konflikte als Prüfungen, die die Union bestehen muss.
Die souveränistische Rahmung (nationalkonservative Regierungen und wohlwollende Stimmen in den Mitgliedstaaten) sieht Brüssel als übergriffig gegenüber nationalen Zuständigkeiten, Haushalten und Identität, den Ausschluss von Bewegungen, die Millionen wählen, als falsch und fordert, dass die Mitgliedstaaten die Kontrolle über Migration, Geld und ihre Institutionen zurückgewinnen. Sie wirkt aus der Union heraus, nicht gegen deren Bestand.
Die Gegen-Rahmung (russische und chinesische Staatsmedien) liest jeden inneren europäischen Streit als Beleg, dass Brüssel seine Mitglieder zwingt und dass ein Europa souveräner, bilateral handelnder Nationen ihnen besser diente. Moskau und Peking bevorzugen direkte Beziehungen zu den nationalen Hauptstädten gegenüber der supranationalen Autorität der EU und verstärken daher die souveränistische Sichtweise und jedes Zeichen der Spaltung — gegnerisch zu Brüssel und zur europäischen Kohäsion insgesamt, keine echte Partei in den vergrößerten Konflikten.
+29 weitere Laender